Der Wiener Apfelstrudel – mehr als nur eine Mehlspeise
- Jürgen Baumelt

- 20. Nov. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Es gibt Speisen, die sind mehr als Essen. Sie sind Erinnerung, Gefühl, Heimat. Der Wiener Apfelstrudel gehört ganz eindeutig dazu. Kaum ein anderes Dessert wird so sehr mit Wien und der österreichischen Küche verbunden wie diese goldbraune, hauchdünn gerollte Versuchung, aus der es verführerisch nach Apfel, Zimt und warmer Butter duftet.
Der Apfelstrudel ist kein schnelles Gericht. Und genau das macht ihn so besonders. Er verlangt Zeit, Geduld und ein bisserl Hingabe. Früher war das Strudelteigziehen fast schon eine Kunstform, die von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Man sagt nicht umsonst: Ein guter Strudelteig ist dann perfekt, wenn man eine Zeitung darunter lesen könnte.
Seinen Ursprung hat der Strudel in der k.u.k.-Monarchie, doch erst in Wien wurde er zu dem, was wir heute kennen: ein kulinarisches Aushängeschild, serviert in Kaffeehäusern, Gasthäusern und bei Oma am Sonntagstisch. Warm, frisch aus dem Ofen, mit Staubzucker bestreut – mehr braucht es eigentlich nicht.

Rezept: Mein Wiener Apfelstrudel mit selbstgezogenem Strudelteig
Zutaten für den Strudelteig
250 g glattes Mehl
1 Prise Salz
1 Ei (optional – ich nehme es manchmal, klassisch geht auch ohne)
125 ml lauwarmes Wasser
2 EL neutrales Öl
etwas Öl zum Bestreichen
(Es sind auch gute Strudelblätter im Handel erhältlich!)
Zutaten für die Füllung
1 kg säuerliche Äpfel (Boskoop oder Granny Smith)
100 g Zucker
1 Päckchen Vanillezucker
1 TL Zimt
Saft einer halben Zitrone
60 g Rosinen (nach Geschmack, gern in Rum)
80 g Semmelbrösel
80 g Butter
Staubzucker zum Bestreuen
Strudelteig zubereiten
Mehl und Salz in eine Schüssel geben. Ei, Öl und lauwarmes Wasser hinzufügen und alles zu einem glatten, geschmeidigen Teig verkneten. Der Teig soll weich sein, aber nicht kleben.
Zu einer Kugel formen, rundum mit Öl bestreichen und mindestens 30 Minuten bei Zimmertemperatur rasten lassen. Diese Ruhezeit ist für mich Pflicht – ohne sie wird der Teig nicht schön ziehbar.
Füllung vorbereiten
Äpfel schälen, vierteln, entkernen und in dünne Scheiben schneiden. Mit Zitronensaft mischen. Zucker, Vanillezucker, Zimt und Rosinen unterheben.
Butter in einer Pfanne schmelzen, Semmelbrösel darin goldbraun rösten. Das ist für mich ein ganz wichtiger Schritt – die Brösel geben Geschmack und schützen den Teig vor dem Durchweichen.
Strudel ziehen und füllen
Ein großes Tuch auf dem Tisch ausbreiten und bemehlen. Den Teig zuerst ausrollen, dann vorsichtig mit den Handrücken von innen nach außen ziehen, bis er hauchdünn ist. Dicke Ränder abschneiden.
Mit flüssiger Butter bestreichen, Brösel gleichmäßig verteilen, dann die Apfelfüllung daraufgeben. Seiten einschlagen und mithilfe des Tuchs vorsichtig einrollen.
Mit der Naht nach unten auf ein gefettetes Blech legen und nochmals buttern.
Backen
Bei 180 °C Ober-/Unterhitze etwa 35–40 Minuten goldbraun backen. Nach dem Backen kurz ruhen lassen und mit Staubzucker bestreuen.
So serviere ich ihn am liebsten
Am liebsten noch warm, mit Vanillesauce oder Schlagobers. Und ganz ehrlich: Eine gute Tasse Kaffee gehört einfach dazu. Dann ist er für mich perfekt – mein Wiener Apfelstrudel. Genau so, wie ich ihn immer mache.


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