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Schedifkaplatz in Meidling - Eskalation weil Hilfe nicht erwünscht

  • 8. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 25. Feb.

Fast wäre ich heute am Schedifkaplatz in Wien-Meidling Teil einer handfesten Eskalation geworden. Nicht, weil ich jemanden angerempelt hätte. Nicht, weil ich laut oder unfreundlich war. Sondern weil ich einen Fehler gemacht habe, der im Jahr 2026 offenbar schon als Provokation gilt: Ich habe Hilfe angeboten.


Der Schedifkaplatz ist ja so ein Ort, den man nicht einfach nur passiert. Man erlebt ihn. Ein Platz, der alles vereint, was städtisches Leben heute ausmacht: Hektik, Orientierungslosigkeit, Aggression und Menschen, die wirken, als hätten sie seit Tagen keinen freundlichen Satz mehr gehört – oder ausgesprochen.



Eskalation am Schedifkaplatz


Ein Mann stand dort, sichtbar verloren. Dieser typische Blick zwischen „Wo fährt hier was?“ und „Mein Leben ist gerade komplizierter als der Wiener Linien Netzplan“. Ich dachte mir nichts Böses. Wirklich nicht. Ich dachte: Sei ein anständiger Mensch. Frag, ob er Hilfe braucht. Öffi-Auskunft kann ich. Linien, Richtungen, Umstiege – das ist mein kleines Talent im urbanen Alltag.


Also sprach ich ihn an. Höflich. Ruhig. Ohne jede Belehrung. Ohne erhobenen Zeigefinger. Einfach nur: Hilfe anbieten.


Was dann kam, war keine Ablehnung. Kein „Nein, danke“. Nicht einmal ein grantiges Schweigen. Es kam eine verbale Explosion, die den gesamten Schedifkaplatz beschallte.


„Verpiss dich!"

„Ich ficke deine Mutter!“

„Ich ficke deinen Papa!“

„Du Hurensohn!"


Laut. Aggressiv. Mit voller Überzeugung. Der Platz wurde zur Bühne, ich zum unfreiwilligen Publikum. Menschen blieben stehen. Manche starrten. Andere blickten demonstrativ weg, als würden sie gerade einen besonders interessanten Mistkübel studieren.


Ich stand da und musste kurz innerlich lachen. Nicht, weil es lustig war, sondern weil es so absurd war. Das also ist die moderne Art zu sagen: „Ich brauche keine Hilfe.“


In meinem Kopf ratterten mehrere Gedanken gleichzeitig. Soll ich etwas sagen? Soll ich gehen? Soll ich erklären, dass das Angebot freundlich gemeint war? Und dann kam zum Glück der vernünftigste Gedanke von allen: Es bringt nichts.


Eskalationen am Schedifkaplatz gewinnt niemand. Man verliert höchstens Zeit, Nerven oder landet in einer Situation, die völlig außer Verhältnis zum eigentlichen Anlass steht. Also ging ich. Nicht kleinlaut. Nicht eingeschüchtert. Sondern einfach, weil mir meine Energie zu schade war.


Was mich aber wirklich beschäftigt, ist nicht die Beleidigung. Wer so herumschreit, beleidigt nicht mich, sondern sich selbst und sein Umfeld. Was mich nachdenklich macht, ist die Szene, die sich dort tagtäglich abspielt. Menschen, die so unter Spannung stehen, dass selbst Hilfe als Angriff wahrgenommen wird. Eine Aggressivität, die scheinbar völlig normal geworden ist.


Der Schedifkaplatz ist dabei kein Einzelfall. Er ist ein Symbol. Für eine Stimmung, die man immer öfter spürt. Respektlosigkeit als Grundhaltung. Lautstärke als Argument. Und eine Gesellschaft, die gelernt hat, einfach weiterzugehen, weil man sich denkt: „Eh nix Neues.“


Und genau das ist vielleicht das Traurigste an der Geschichte.



Eskalation am Schedifkaplatz


Trotzdem werde ich mir eines nicht abgewöhnen: Freundlich zu sein. Hilfe anzubieten. Menschlich zu bleiben. Auch wenn man dafür angeschrien wird. Auch wenn es manchmal enttäuscht. Denn wenn wir damit aufhören, haben genau jene gewonnen, die glauben, dass Brüllen stärker ist als Anstand.


Beim nächsten Mal am Schedifkaplatz halte ich vielleicht etwas mehr Abstand. Und denke mir still: Möge dein Bus kommen. Möge er pünktlich sein. Und möge er dich – und deine Wut – für eine Weile woanders hinbringen.

 
 
 

7 Kommentare


Günther
25. Feb.

Der hat wohl seine Pulver vergessen zu schlucken. So etwas ähnliches habe ich oft am Matzleinsdorferplatz erlebt. Da sind auch die ganzen Giftler.

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Pluna
10. Jan.

Am Reumannplatz im 10. Bezirk wirst gleich niedergestochen. Dann doch lieber diese Drohung 😉

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Gast
04. Jan.

Er steht eben auf ältere Menschen. Nimm es nicht persönlich 😉. Spaß beiseite, nur mehr dummes Volk unterwegs.

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Gerhard H.
04. Jan.

Willkommen in Wien. Nicht nur Favoriten hat dieses Problem, es verteilt sich auf ganz Wien.

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Evelyn
04. Jan.

Nur mehr Gesindel in der Stadt. War bestimmt einer der Flüchtlinge.

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