Instagram-Follower tauchen kurz auf und sind schnell wieder weg – was steckt dahinter?
- vor 20 Stunden
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In letzter Zeit fällt mir wieder vermehrt auf, dass mir bekannte Restaurants oder Persönlichkeiten auf Instagram folgen. Zunächst wirkt das überraschend und schmeichelhaft. Doch kaum folgt man zurück, verschwindet der Follow oft kurze Zeit später wieder. Dazu meine Geschichte:
Wer auf Instagram ein wenig aktiv ist, kennt dieses kleine digitale Schauspiel vermutlich nur allzu gut. Plötzlich erscheint eine neue Benachrichtigung: Ein neues Profil folgt dir. Soweit nichts Ungewöhnliches. Doch wenn man genauer hinsieht, stellt man fest, dass es sich nicht um irgendeinen Account handelt. Nein, es ist ein durchaus respektables Profil. Ein bekanntes Restaurant, ein schickes Hotel, ein Autor, ein Lifestyle-Account oder ein Unternehmen mit professionellen Fotos, vielen Beiträgen und einer stattlichen Anzahl an Followern.
Man fühlt sich geschmeichelt. Schließlich denkt man sich: Offenbar hat dieses Profil meinen Blog oder meine Inhalte entdeckt und findet sie interessant. Das freut einen natürlich. Und weil man ja ein freundlicher Mensch ist – und vielleicht auch tatsächlich neugierig auf die Inhalte des neuen Followers – klickt man höflich auf „Folgen“. Eine kleine digitale Bekanntschaft ist geschlossen.
Doch diese Beziehung hat leider oft eine erstaunlich kurze Halbwertszeit. Nach ungefähr einem Tag – manchmal sogar etwas schneller – stellt man fest: Das Profil ist noch da, aber es folgt einem plötzlich nicht mehr. Die gerade erst entstandene Instagram-Freundschaft hat sich still und leise in Luft aufgelöst. Man wurde, sozusagen, digital wieder verlassen.

Die weitverbreitete Strategie berühmter Instagram-Accounts
Was ist passiert? Ganz einfach: Man ist in eine kleine, aber weit verbreitete Instagram-Strategie geraten. Diese funktioniert nach einem simplen Prinzip. Zuerst folgt ein Account möglichst vielen Profilen. Ein Teil davon folgt aus Höflichkeit oder Interesse zurück. Und sobald dieser Rück-Follow erfolgt ist, wird wieder entfolgt. Das Ziel ist dabei relativ offensichtlich: Die Zahl der eigenen Follower soll steigen, während die Anzahl der Accounts, denen man selbst folgt, möglichst niedrig bleibt.
Das Ergebnis sieht auf dem Profil dann natürlich beeindruckend aus. Da stehen dann zum Beispiel 18.000 Follower, während man selbst nur 120 oder 150 Accounts folgt. Auf den ersten Blick wirkt das wie eine enorme Popularität. Wer das Spiel allerdings kennt, erkennt ziemlich schnell, wie diese Zahlen manchmal zustande kommen.
Das eigentlich Überraschende dabei ist allerdings nicht die Strategie selbst – die ist im Internet längst kein Geheimnis mehr. Wirklich erstaunlich ist vielmehr, wer gelegentlich bei diesem Spiel mitmacht. Es sind nicht nur irgendwelche Influencer mit perfekt inszenierten Frühstücksbildern oder Accounts, die ausschließlich aus Sonnenuntergängen und Motivationssprüchen bestehen. Nein, manchmal sind es tatsächlich Restaurants, Hotels, Autoren oder Unternehmen, bei denen man sich spontan denkt: Die hätten das doch eigentlich gar nicht nötig.
Im Laufe der Zeit könnte ich vermutlich schon eine recht lange Liste solcher Profile zusammenstellen. Eine wirklich beachtliche sogar. Eine Art kleines Verzeichnis der „24-Stunden-Freundschaften auf Instagram“. Doch ich bleibe ja ein freundlicher Blog und sehe keinen Grund, irgendjemanden öffentlich an den Pranger zu stellen. Außerdem wäre diese Liste wahrscheinlich länger als so manche Weinkarte in einem guten Restaurant – und das wäre dann doch ein bisschen übertrieben.
Inzwischen gehe ich mit diesem Phänomen sehr gelassen um. Wenn mir ein neues Profil folgt, freue ich mich natürlich darüber. Es ist schließlich immer schön zu sehen, dass sich Menschen oder Accounts für die eigenen Inhalte interessieren. Wenn sich jedoch nach kurzer Zeit herausstellt, dass diese Aufmerksamkeit nur von sehr begrenzter Dauer war, dann nehme ich das ebenso entspannt zur Kenntnis.
Eine kleine Konsequenz hat die Sache allerdings. Profile, die nach dem schnellen „Follow-und-wieder-weg“-Prinzip arbeiten, werden von mir selbstverständlich ebenfalls wieder entfolgt. Nicht aus Ärger und schon gar nicht aus beleidigtem Stolz. Es ist einfach eine Frage der persönlichen Logik. Wenn jemand offensichtlich kein echtes Interesse daran hat, meinem Profil zu folgen, dann gibt es für mich auch keinen besonderen Grund, diesem Account dauerhaft zu folgen.

Ich folge nur noch Profilen, die ich wirklich interessant finde
Mit der Zeit hat sich daraus für mich eine ganz einfache Instagram-Regel entwickelt: Ich folge nur noch Profilen, die ich wirklich interessant finde. Accounts, deren Inhalte ich gerne sehe, deren Fotos oder Beiträge mich tatsächlich ansprechen und denen ich auch dann folgen würde, wenn sie mir nie zuvor gefolgt wären.
Kurz gesagt: Ich folge Menschen und Inhalten – nicht Strategien. Und ganz ehrlich gesagt macht Instagram auf diese Weise auch deutlich mehr Spaß. Man entdeckt spannende Profile, interessante Orte, gute Ideen und manchmal sogar wirklich inspirierende Menschen. Ganz ohne Tricks, ohne Follower-Taktik und ohne diese seltsamen 24-Stunden-Bekanntschaften.
Und wenn nun wieder einmal eine neue Benachrichtigung erscheint und mir ein bisher unbekanntes Profil folgt, dann denke ich mir inzwischen einfach mit einem kleinen Schmunzeln: Schön, dass du da bist. Schauen wir einmal, ob du morgen auch noch hier bist.



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