top of page

Das Blogsterben - Warum Blogs immer weniger werden und Blogger aufgeben

  • vor 11 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

In letzter Zeit ertappe ich mich immer öfter bei einem Gefühl, das ich früher kaum kannte, wenn ich durch meine Lesezeichen klicke. Da sind Blogs, die mich jahrelang begleitet haben. Persönliche Geschichten, kluge Gedanken, kleine Alltagsbeobachtungen, manchmal politisch, manchmal banal, oft ehrlich. Und dann: der letzte Eintrag vor zwei Jahren. Oder vor fünf. Oder eine Startseite, die ins Leere führt. Stillgelegt. Verschwunden. Aufgegeben.


Ich empfinde das als traurig. Wirklich traurig. Es fühlt sich an, als würde nach und nach ein Stück Internet verschwinden, das einmal sehr lebendig, sehr menschlich und sehr nahbar war. Ich sehe ein regelrechtes Blogger-Sterben.



Bloggersterben


Blogs waren für mich immer mehr als Content. Sie waren Stimmen. Persönlichkeiten. Orte, an denen Menschen ohne Algorithmusdruck, ohne Reichweitenpanik und ohne Tanzvideos ihre Gedanken geteilt haben. Und genau diese Orte werden immer weniger.


Natürlich weiß ich, warum das passiert. Social Media ist schneller. Bequemer. Man bekommt sofort Rückmeldungen, Likes, Reaktionen. Ein Blog verlangt Zeit. Pflege. Durchhaltevermögen. Schreiben ohne Garantie, dass es jemand liest. Viele Bloggerinnen und Blogger sind müde geworden. Andere haben das Gefühl, man müsse heute auf fünf Plattformen gleichzeitig präsent sein, um überhaupt noch gesehen zu werden. Und manche haben einfach aufgehört, weil das Leben dazwischengekommen ist.


Trotzdem schmerzt es mich, diesen schleichenden Rückzug zu beobachten. Denn mit jedem aufgegebenen Blog geht auch ein individueller Blick auf die Welt verloren. Ein Archiv an Gedanken, an Meinungen, an Zeitgeist.


Und doch: Bei aller Melancholie glaube ich nicht, dass Bloggen tot ist. Ganz im Gegenteil.

Bloggen ist vielleicht leiser geworden, aber es ist nicht verschwunden. Es hat sich verändert. Blogs sind heute kein Massenmedium mehr, sondern eher ein bewusstes Medium. Für Menschen, die etwas zu sagen haben und sich nicht in 30 Sekunden erklären wollen. Für jene, die Tiefe suchen statt Reichweite. Und genau darin liegt eine große Stärke.


Ein Blog gehört dir. Kein Algorithmus entscheidet, wem deine Texte angezeigt werden. Kein Konzern kann über Nacht die Spielregeln ändern. Dein Blog ist dein Raum, dein Tempo, deine Stimme. Du kannst schreiben, wann du willst, wie du willst und worüber du willst. Ohne Trends hinterherzulaufen.

Blogs sind nachhaltig. Ein guter Text verschwindet nicht nach 24 Stunden wie eine Story. Er ist auffindbar, zitierbar, nachlesbar. Auch Jahre später noch. Blogs sind Gedächtnisse – persönliche wie gesellschaftliche.



Bloggersterben


Und Blogs schaffen Nähe. Eine andere Nähe als Social Media. Wer einen Blog liest, nimmt sich Zeit. Wer kommentiert, meint es meistens ernst. Die Gespräche sind oft ruhiger, respektvoller und ehrlicher. Weniger Lärm, mehr Inhalt.


Vielleicht ist genau das der Punkt: Bloggen ist nicht out, es ist entschleunigt. Es passt nicht mehr zur Dauerbeschallung, aber sehr wohl zu Menschen, die schreiben wollen, weil sie etwas ausdrücken möchten – nicht, weil sie müssen.


Ich wünsche mir, dass mehr Blogs bleiben. Dass manche zurückkommen. Und dass neue entstehen. Nicht perfekt, nicht durchoptimiert, nicht für Suchmaschinen geschrieben, sondern für Menschen.

Denn solange es Menschen gibt, die Gedanken haben, die mehr als ein paar Zeilen brauchen, solange ist das Bloggen lebendig. Auch wenn es manchmal leise wirkt.


Und vielleicht ist es gerade diese leise Beständigkeit, die Blogs heute wertvoller macht denn je.

Kommentare


  • Facebook
  • Instagram

© 2026 Netzlos | Der wahrscheinlich unbedeutendste und kleinste Blog Wiens.

Impressum

bottom of page