Silvester ohne Böller – oder: Warum wir jedes Jahr dieselbe Diskussion führen
- Jürgen Baumelt

- 8. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 8 Minuten
Kaum naht der Jahreswechsel, beginnt das vertraute Ritual: In den Städten wird das Zünden von Böllern und Raketen verboten. Punkt. Sehr streng. Sehr offiziell. Und gleichzeitig stehen ein paar Straßen weiter die Menschen mit vollen Einkaufswägen im Feuerwerksregal, als würden sie sich auf die Pyro-Olympiade vorbereiten. Verkauf erlaubt, Abfeuern verboten – ein Widerspruch, der inzwischen schon fast so traditionell ist wie der Kater am 1. Jänner.
Ich weiß, ich weiß: Silvester ohne Böller ist für manche so vorstellbar wie Weihnachten ohne Kekse. Aber ich möchte gar nicht den moralischen Zeigefinger heben. Wirklich nicht. Ich möchte nur einen kleinen, liebevollen Impuls geben, der vielleicht die ein oder andere graue Gehirnzelle dazu bringt, kurz die Tanzschuhe anzuziehen.
Denn mal ehrlich: Müssen es wirklich jedes Jahr lärmende Explosionen sein? Dieses „Wir begrüßen das neue Jahr, indem wir es halb taub schießen“ wirkt inzwischen etwas, nun ja… antiquiert.

Und damit wir uns nicht falsch verstehen: Es liegt keinesfalls daran, dass ich inzwischen die 55plus erreicht habe. Ich gehöre nicht plötzlich zur Fraktion „Früher war alles leiser“. Ich war schon immer Team „Silvester mit Ohrwaschl statt Ohrenstöpsel“. Ich habe das ruhige Feiern nie als Verlust empfunden – im Gegenteil. Für mich war ein entschleunigtes Reinrutschen ins neue Jahr schon immer schöner, eleganter und, wenn wir ehrlich sind, deutlich ungefährlicher für Hände, Tiere und Nerven.
Ja, Tiere… die kann ich in dieser Diskussion einfach nicht auslassen. Jedes Jahr wieder zittern Haustiere, Wildtiere und manche Menschen gleich mit. Und während ganze Wohngegenden im Nebel verschwinden, kämpft so mancher Hund ums emotionale Überleben, während Katzen versuchen, sich in einer Schublade neu zu erfinden.
Natürlich gibt es die andere Seite: Viele verbinden mit Feuerwerk Erinnerungen, Tradition, Freude. Das verstehe ich. Und trotzdem frage ich mich: Brauchen wir wirklich Knallkörper, um festlich zu sein? Ist der Jahreswechsel weniger feierlich, wenn wir ihn ohne Feinstaubwolke begehen? Bringt das neue Jahr nur Glück, wenn wir es vorher mit Raketen beschießen?

Ich glaube nicht. Ich glaube, ein leises Silvester könnte sogar viel mehr Glück bringen – zumindest das Glück, am nächsten Morgen nicht das Gefühl zu haben, die Nachbarschaft hätte ein Kriegsdenkmal nachgestellt.
Vielleicht ist ja dieses Jahr der richtige Moment, um einmal bewusst umzuschalten: von laut auf leise, von Explosionsromantik auf gemütliches Licht, von Böllerschlacht auf „Wir feiern das Leben – nicht den Lärm“.
Und wer weiß – vielleicht entdecken wir ja, dass es gar nicht die Knaller sind, die Silvester besonders machen, sondern die Menschen, mit denen wir hineinfeiern.
In diesem Sinne: Lasst uns gemeinsam überdenken, was wir wirklich brauchen, um gut ins neue Jahr zu starten. Und keine Sorge – ich verspreche hoch und heilig: Das ist nicht das 55plus, das da aus mir spricht. Das war schon immer so.



Böllern verboten, kaufen erlaubt. Ein Widerspruch. Selbst die Grünen in der Regierung haben es nicht geschafft, hierbei sich für die Umwelt und Tierschutz einzusetzen, indem man den Verkauf ebenso verbietet. 🤮