Venedig im November - mein Ausflug in die Lagunenstadt
- Jürgen Baumelt

- 26. Nov. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 20 Minuten
Venedig und ich – das war wohl nichts. Während andere in romantischen Schwärmereien versinken, Gondeln fotografieren und die Stadt verklärt als „magisches Labyrinth auf dem Wasser“ bezeichnen, stand ich im November mitten im Nebel und dachte: „Aha. Dafür bin ich also hergekommen.“

Dabei war es gar nicht das Wetter. Im Gegenteil: Nebel, Regen, mystische Stimmung – genau das hatte ich mir ausgesucht! Ich wollte das geheimnisvolle Venedig erleben, ein bisschen morbide Grandezza, vielleicht sogar eine Begegnung mit einem Geist aus dem 18. Jahrhundert.
Was ich bekam, war eher eine Begegnung mit hundert Menschen mit wasserdichten Jacken, die wie Zombies mit Google Maps vor der Nase durch die Gassen taumelten. Man kommt aber auch wirklich nicht ohne Smartphone zurecht. Dieses Labyrinth ist so eng, dass es vermutlich von jemandem entworfen wurde, der sich dachte: „Ha, mal schauen, wer hier jemals wieder rausfindet.“ Und ich gebe es ehrlich zu: Auch wir wären ohne digitale Navigation schon am ersten Tag verzweifelt in irgendeinem Hinterhof gelandet, wo die einzigen Lebewesen Möwen und rollende Plastikflaschen waren.

Kulinarisch hatten wir uns ebenfalls viel erhofft. Italien! Pizza! Pasta! Doch selbst in abgelegenen Gassen fand sich kaum noch der typische italienische Gastgeber. Gefühlt führten nur noch "Inder" die italienischen Restaurants – nichts dagegen, aber es ist ein bisschen wie Wiener Schnitzel in Tokio. Und geschmacklich… sagen wir, das Essen war solide. Aber sie entfachte keine mediterranen Feuerwerke in meinem Herzen.

Sightseeing in Venedig
Natürlich wollten wir trotzdem alles sehen, was man eben so sehen „muss“. Also los: Rialto-Brücke. Ich gestehe: Ich hatte aufgrund ihrer Bekanntheit deutlich mehr erwartet. Ja, sie ist alt, ja, sie ist berühmt – aber wenn man oben steht, sieht man vor allem eines: Geschäfte. Dicht an dicht. Und darunter den Canale Grande und Restaurants, noch dichter. Für mich war das kein magischer Moment, eher ein „Okay, und nun?“.

Im direkten Vergleich hat mich die Scalzi-Brücke am Bahnhof Santa Lucia ehrlich mehr beeindruckt. Von dort aus sieht man viel mehr: Kirchen, historische Fassaden, weite Perspektiven über den Canale Grande – einfach ein echter Blickfang. Und während die Rialto-Brücke touristisch fast erdrückt wird, darf man auf der Scalzi-Brücke tatsächlich mal durchatmen. Vielleicht lag es auch daran, dass ich dort einige der schönsten Fotos meines gesamten Trips machen konnte.
Natürlich waren wir auch am Markusplatz und beim Dogenpalast – beeindruckende Architektur, reich an Geschichte, wunderbar für all jene, die darin aufgehen. Doch während ich dort stand, im Nebel und Regen und unter einem Meer aus Regenschirmen, musste ich mir eingestehen: Die Freude hielt sich in Grenzen. Irgendwann freute ich mich mehr über trockene Socken als über venezianische Gotik.

Venedig und ich - wir werden keine Freunde
Am Ende unserer zwei Tage in Venedig haben wir beide festgestellt: Zwei Tage waren mehr als ausreichend. Vielleicht liegt es an mir. Vielleicht habe ich einfach neue Seiten an mir entdeckt. Vielleicht bin ich doch eher der Strandtyp, jemand, der salzige Luft, ruhige Wellen und weitläufige Horizonte liebt statt Steindickicht und Menschenströme. Venedig ist nicht hässlich. Nur Venedig und ich, wir werden einfach keine Freunde. Und ganz ehrlich: Wenn es im November schon so voll war, möchte ich mir gar nicht vorstellen, wie Venedig erst bei Schönwetter aussieht. Ja, alle schwärmen in ihren Blogs und Webseiten über Venedig. Ich tanze da leider komplett aus der Reihe. Tut mir echt leid!
Wird Venedig mich so schnell wiedersehen? Ich zweifle stark. Aber immerhin habe ich jetzt eine Geschichte – und ein paar wirklich schöne Fotos – aus einer Stadt, die zwar viele verzaubert, mich aber ganz charmant daran erinnert hat, dass man nicht überall sein Herz verlieren muss.

Meine Hotelempfehlung
Und eine letzte Sache, bevor ich meinen kleinen Reisebericht schließe: Eine Hotelempfehlung kann ich euch leider nicht geben. Unser 4-Sterne-Hotel entpuppte sich nämlich als eine der größten Enttäuschungen des gesamten Trips. Sagen wir so: Wenn schon die Stadt und ich keine Freunde wurden, dann war das Hotel eher der entfernte Bekannte, den man auf einer Party übersieht und hinterher froh ist, dass man nicht nebeneinander sitzen musste. Auch das hat meine Einschätzung von Venedig nicht unbedingt verbessert. Aber gut – wieder etwas gelernt. Und definitiv ein weiterer Grund, warum ich beim nächsten Mal lieber an den Strand fahre.
Meine kleine Bildergalerie
Fotos: Jürgen von Netzlos / Smartphone








































Ich verstehe dich total. Die Stadt ist in meinen Augen nur mehr auf Touris ausgerichtet. Alles überteuert, das mit den Indern ist mir auch aufgefallen. An jeder Ecke gibt es Kitsch zu kaufen, italienisches Flair - Fehlanzeige. Dann lieber Bologna oder Triest.
Darf man den Namen vom Hotel erfahren? Möchte selbst nicht die selbe Enttäuschung erleben. 🙏
Venedig ist im Frühling und Herbst schön, doch auch da sind schon gefühlte Millionen von Touristen unterwegs. Versuche Trieste oder Bologna, das sind meine Lieblingsstädte im Norden von Italien. Auch nicht so überfüllt. Ich mag zwar das Wasser, brauche es aber nicht wie in Venedig zwischen allen Häusern. Kann dich gut verstehen, wenn du von Venedig nicht begeistert bist.
Ich bin in Venedig verliebt 😍. Ich würde eine Begrenzung der Tagestouristen einführen. Das ist schon zuviel des Guten, wieviel da los ist.
Also ich mag Venedig. Sieht zwar eher gekünstelt aus, wie eine Filmkulisse, aber das passt schon. Das mit den Indern ist mir 2024 extrem aufgefallen. Jedoch nicht nur in Restaurants, auch bei Verkaufsständen,... Hast du den Weihnachtsmarkt besucht?