Der ESC kommt nach Wien – und ich schalte bewusst ab
- Jürgen Baumelt

- 31. Okt. 2025
- 2 Min. Lesezeit
2026 steht Wien ganz im Zeichen eines Großereignisses: Der Eurovision Song Contest kommt in die Stadt. Ein internationales Spektakel, hunderttausende Gäste, wochenlange Berichterstattung – und natürlich jede Menge Begeisterung. In den letzten Monaten habe ich mit Freunden immer wieder darüber philosophiert, was ich eigentlich vom ESC in Wien halte. Werde ich mir den ESC anschauen, vielleicht sogar live?
Meine Antwort darauf ist klar und für viele überraschend: Nein. Nicht dieses Jahr. Und vermutlich auch nicht mehr so bald.
Der ESC hat mich verloren – nicht Wien
Es liegt nicht an Wien. Im Gegenteil. Die Stadt ist großartig, weltoffen und mehr als fähig, ein solches Event auf die Beine zu stellen. Mein Desinteresse richtet sich ausschließlich gegen den Eurovision Song Contest selbst. Denn der ESC ist für mich schon lange nicht mehr das, was er einmal war.
Was früher als musikalischer Wettbewerb mit verbindender Idee begann, ist heute eine schwerfällige Mischung aus politischer Symbolik, kalkulierter Provokation und überinszenierter Fernsehshow. Die Musik – eigentlich der Kern des Ganzen – spielt dabei oft nur noch eine Nebenrolle.
Unpolitisch? Das glaubt doch niemand mehr
Der ESC behauptet gerne, unpolitisch zu sein. Das ist für mich einer der größten Selbstbetrüge dieses Formats. Der Wettbewerb ist politisch – nur eben nicht ehrlich und nicht konsequent.
Ich sage es klar und deutlich: Israel hätte 2026 nicht am Eurovision Song Contest teilnehmen sollen. Nicht, weil ich Künstlerinnen oder Künstler persönlich angreife, sondern weil der ESC selbst bewiesen hat, dass politische Umstände sehr wohl Konsequenzen haben können. Länder wurden ausgeschlossen oder pausiert – also hört bitte auf, so zu tun, als wäre das plötzlich unmöglich oder ungerecht. Es ist möglich. Es wurde gemacht. Nur offenbar nicht für alle gleich.
Diese Doppelmoral beschädigt den ESC mehr als jede Boykottforderung. Wer sich Werte auf die Fahnen schreibt, muss sie auch anwenden – oder aufhören, so zu tun, als hätte man welche.
Vom Musikwettbewerb zur Dauerinszenierung
Der ESC ist für mich längst kein echter Musikwettbewerb mehr. Songs klingen austauschbar, Trends werden kopiert, Inszenierungen überlagern Stimmen. Hauptsache auffallen. Hauptsache polarisieren. Hauptsache Gesprächsstoff.
Ob ein Lied musikalisch überzeugt, scheint nebensächlich geworden zu sein. Wichtig ist, ob es Schlagzeilen produziert. Das mag für eine Fernsehshow funktionieren, aber es entwertet den ursprünglichen Gedanken des Wettbewerbs komplett.

Ein Event, das eher trennt als verbindet
Der ESC wollte einmal verbinden. Heute erzeugt er vor allem Diskussionen, Fronten und Lagerdenken. Statt eines gemeinsamen europäischen Abends gibt es moralische Bewertungen, politische Rechtfertigungen und endlose Debatten darüber, wer teilnehmen darf und wer nicht – allerdings ohne klare Linie.
Für mich bleibt dabei nichts Leichtes mehr übrig. Keine Freude, kein Abschalten, kein gemeinsames Erleben. Nur ein überfrachtetes Spektakel, das sich selbst viel zu wichtig nimmt.
Warum ich 2026 bewusst nicht dabei bin
Auch wenn der ESC dieses Jahr in Wien stattfindet: Ich werde ihn nicht live besuchen. Ich werde ihm kaum Aufmerksamkeit schenken. Nicht aus Ignoranz, sondern aus Konsequenz.
Der Eurovision Song Contest hat für mich an Wert verloren – durch Inkonsequenz, durch politische Ausflüchte und durch den schleichenden Verlust seiner musikalischen Seele. Vielleicht findet er irgendwann wieder zu Klarheit, Haltung und Qualität zurück. Bis dahin schaue ich lieber weg.
Manchmal ist Nicht-Mitmachen die ehrlichste Form von Kritik.




Ob es, wie bei T. Swift Konzert in Wien auch eine Absage geben würde, wenn eine Gefahr bzw Bedrohung im Raum steht?
Bin seit Jahren nicht mehr dabei.
Braucht keine Sau mehr. Übrigens: Toller Blog 👌
Sinnlose Veranstaltung, die ur viel Geld kostet und für den A...h ist
Sehe mir den Esc seit Jahren nicht mehr an. Die Nachbarländer schieben sich gegenseitig die Punkte zu, bis auf D und A. 🤣