Facebook-Gruppen: Wo mindestens ein Klugscheißer immer etwas zum Mitreden findet
- 4. Feb.
- 2 Min. Lesezeit
Es ist immer wieder erstaunlich, wie zuverlässig Facebook-Gruppen funktionieren. Jemand stellt eine ganz normale, ernstgemeinte Frage. Keine Provokation, kein Drama, kein versteckter Hintergedanke. Einfach ehrliche Neugier. Und trotzdem dauert es keine fünf Minuten, bis klar ist: Diese Frage wird nicht einfach beantwortet werden dürfen.
Denn wo eine Frage ist, da ist Facebook – und wo Facebook ist, da ist garantiert mindestens ein Klugscheißer, der es einfach nicht lassen kann, komplett aus der Reihe zu tanzen.
Ein schönes Beispiel dafür habe ich selbst erlebt, ganz harmlos, ganz unspektakulär, am Strand von Playa del Inglés. Ich fand dort ein seltsames Teil im Sand, hob es auf, fotografierte es und fragte in einer passenden Facebook-Gruppe nach, ob jemand weiß, was das ist. Mehr nicht. Kein Alarmismus, keine Panik, keine Sensationslust.

Und tatsächlich: Viele hilfreiche Antworten kamen. Sachlich, freundlich, informativ. Genau so, wie man sich das Internet manchmal noch wünscht. Ich erfuhr, dass es sich um ein Teil einer Portugiesischen Qualle handelte. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich das nicht. Das Teil war bereits tot, mir ist nichts passiert, niemand sonst kam zu Schaden, keine Evakuierung, kein Rettungshubschrauber.
Alles gut also.
Aber natürlich darf er nicht fehlen. Der eine Kommentar, den niemand braucht, den niemand bestellt hat, der nichts erklärt und nichts besser macht – aber trotzdem unbedingt geschrieben werden musste. Moralisch erhoben, leicht belehrend, irgendwo zwischen „Wie kann man nur?“ und „Selber schuld“, ohne auch nur ansatzweise hilfreich zu sein.
Denn in Facebook-Gruppen gilt offenbar ein ehernes Gesetz:
Wer fragt, wird nicht einfach informiert – er wird bewertet.
Es geht dann nicht mehr um die Sache, sondern um den Menschen dahinter. Warum man etwas aufgehoben hat. Warum man überhaupt fragt. Warum man nicht schon alles weiß. Und natürlich immer mitschwingend: Man selbst hätte das alles viel klüger, vorsichtiger und grundsätzlich besser gemacht.
Das Faszinierende daran ist: Objektiv ist nichts passiert. Gar nichts. Und trotzdem fühlen sich manche Deppen berufen, den erhobenen Zeigefinger auszupacken. Nicht, weil es nötig wäre – sondern weil sie es können. Weil Kommentarspalten für sie kein Ort des Austauschs sind, sondern eine Bühne für ungefragte Selbstbestätigung.
Dieses Muster zieht sich durch nahezu alle Facebook-Gruppen. Du fragst nach einem Fundstück – jemand diagnostiziert deine Unfähigkeit. Du willst eine Empfehlung – jemand erklärt dir, dass du falsch lebst. Du suchst Informationen – jemand fühlt sich persönlich angegriffen.

Zwischen all dem gibt es sie noch, die wirklich hilfreichen Menschen. Die, die antworten, weil sie etwas wissen. Die erklären, ohne zu belehren. Die helfen, ohne sich zu erhöhen. Aber sie gehen unter. Zwischen unnötigen Kommentaren, passiv-aggressiven Spitzen und Leuten, die offenbar nicht ertragen können, dass jemand einfach nur etwas wissen will.
Und genau deshalb habe ich für mich eine Entscheidung getroffen:
Ich verabschiede mich aus solchen Gruppen.
Nicht aus Trotz. Nicht aus Drama. Sondern aus Selbstschutz. Weil mir meine Zeit zu schade ist für Kommentarzirkusse. Weil ich keine Lust mehr habe, jede harmlose Frage durch einen Filter aus Belehrungen, Unterstellungen und moralischem Gedöns lesen zu müssen. Und weil ich keine Minute mit solchen Idioten verschwenden möchte.
Facebook-Gruppen können hilfreich sein. Wirklich. Aber zu oft sind sie wie ein Strand, an dem man eigentlich entspannen will – und ständig tritt einem jemand ungefragt auf das Handtuch.
Man stellt eine Frage.
Man bekommt Antworten.
Besserwisser sollten dabei einfach öfter mal die Klappe halten!




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