Nachwuchsproblem bei der Freiwilligen Feuerwehr: Ein stilles Problem mit großen Folgen
- Jürgen Baumelt

- vor 3 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Ein lieber Freund von der Freiwilligen Feuerwehr einer Gemeinde im Weinviertel hat meinen jungen Blog entdeckt. Er schrieb mir eine Nachricht. Die Nachricht beinhaltet keine große Bitte, kein offizieller Auftrag – eher einen leisen Wunsch. Ob ich nicht einen Bericht schreiben könnte. Darüber, dass viele Freiwillige Feuerwehren händeringend nach neuen Mitgliedern suchen. Und darüber, dass das Interesse junger Menschen in den letzten Jahren massiv nachgelassen hat.
Diese Bitte hat mich beschäftigt. Nicht nur, weil sie von jemandem kam, der selbst seit Jahren mit Herzblut dabei ist, sondern weil sie ein Problem berührt, das viel größer ist, als viele von uns wahrhaben wollen.
Weil ich nicht nur trockene Infos, sondern echte Einblicke wollte, habe ich ihn kurzerhand angerufen. Ich wollte wissen, wie es wirklich ist: der Zusammenhalt, die Einsätze, das Gefühl, Teil dieser Gemeinschaft zu sein. Genau darüber haben wir gesprochen. Daraus ist dieser Artikel entstanden.

Die Freiwilligen Feuerwehren sind eine der wichtigsten Säulen unseres gesellschaftlichen Zusammenhalts. In unzähligen Gemeinden – vor allem im ländlichen Raum – sind sie nicht nur für Brände zuständig. Sie retten Menschen aus verunfallten Autos, pumpen Keller nach Unwettern aus, sichern Unfallstellen, bergen Tiere, helfen bei Hochwasser, Stürmen und Naturkatastrophen. Und sie tun das freiwillig. In ihrer Freizeit. Nach der Arbeit. Nachts, am Wochenende, an Feiertagen.
Doch genau hier beginnt das Problem: Der Nachwuchs bleibt aus.
Immer mehr Feuerwehren berichten davon, dass sie ihre Mindeststärke kaum noch erreichen. Jugendgruppen werden kleiner oder müssen ganz aufgelöst werden. Aktive Mitglieder werden älter, während junge Menschen fehlen, die nachrücken. Das ist kein einzelnes Phänomen, sondern betrifft Regionen im ganzen Land.
Die Gründe dafür sind vielfältig. Freizeitangebote haben sich verändert, das Leben ist schneller geworden, Verpflichtungen werden oft gescheut. Viele junge Menschen wissen schlicht nicht mehr, was die Feuerwehr eigentlich alles macht – oder haben ein völlig falsches Bild davon. Manche glauben, es gehe nur um Brände, andere fürchten starre Hierarchien oder zu viel Zeitaufwand.
Dabei bieten die Freiwilligen Feuerwehren so unglaublich viel.
Technik, die man sonst nie anfassen würde. Kameradschaft, die weit über ein Hobby hinausgeht. Sinnstiftende Arbeit, bei der man unmittelbar sieht, dass man gebraucht wird. Ausbildung, Verantwortung, Teamarbeit, persönliche Weiterentwicklung. Und das gute Gefühl, Teil von etwas zu sein, das wirklich zählt.
Was oft vergessen wird: Feuerwehr ist auch Gemeinschaft. Freundschaften fürs Leben entstehen hier. Generationen arbeiten zusammen, lernen voneinander, halten zusammen – in guten wie in schwierigen Zeiten. Das ist etwas, das man nicht downloaden, nicht streamen und nicht ersetzen kann.

Wenn die Mitglieder weiter ausbleiben, hat das ernsthafte Folgen.
Einsatzzeiten verlängern sich, weil nicht genug Personal verfügbar ist. Gemeinden müssen Feuerwehren zusammenlegen oder im schlimmsten Fall Standorte schließen. Die Sicherheit für alle sinkt. Und am Ende stehen wir vor der unbequemen Frage: Wer hilft, wenn niemand mehr da ist, der helfen kann?
Die Freiwillige Feuerwehr ist keine Selbstverständlichkeit. Sie lebt davon, dass Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen – nicht perfekt, nicht immer, aber mit Überzeugung. Sie braucht Sichtbarkeit, Wertschätzung und vor allem junge Menschen, die erkennen, dass Engagement mehr zurückgibt, als es kostet.
Vielleicht ist dieser Text nur ein kleiner Beitrag. Aber wenn er dazu führt, dass jemand nachdenkt, nachfragt oder einfach einmal bei der Feuerwehr im Ort vorbeischaut, dann hat er seinen Zweck erfüllt.




Danke für den Beitrag. Es ist ein Problem, ein großes Problem.